Rapid Prototyping von Motorsteuerungsfunktionen
Projekt ZAMOMO - Verzahnung von modellbasierter Softwareentwicklung und modellbasiertem Reglerentwurf
Bei der Entwicklung softwareintensiver eingebetteter Systeme in regelungstechnischen Anwendungen, wie z.B. Motorsteuergeräten, treffen zwei Disziplinen aufeinander, die sich in der Vergangenheit weitgehend getrennt von einander entwickelt haben:
- Softwaretechnik
- Regelungstechnik
Das Zusammenwirken der beiden Disziplinen läuft in der Praxis nicht reibungslos: Unterschiedliche Begriffswelten und Perspektiven auf den Entwurfsgegenstand verursachen Missverständnisse. Die fehlende Abstimmung im Entwurfsvorgehen verhindert die durchaus mögliche gegenseitige methodische Ergänzung.
Das Ziel des vom BMBF geförderten Projektes ZAMOMO ist, diese Situation durch eine geeignete Integration von softwaretechnischem und regelungstechnischem Entwurf zu verbessern. Insbesondere sollen die in beiden Disziplinen entstandenen modellbasierten Ansätze (modellbasierter Softwareentwurf und modellbasierter Reglerentwurf) miteinander verzahnt und ergänzt werden. Als exemplarische Anwendungsdomäne werden Motorsteuerungen untersucht, die mit Hilfe der Mehtode des Rapid Control Prototypings erstellt werden sollen.
„Virtuelle Entwicklung“:

Neben der Verzahnung der beiden Disziplinen Softwaretechnik und Regelungstechnik bildet die virtuelle Entwicklung von Motorregelungen einen weiteren Schwerpunkt der Arbeiten auf Seiten der Regelungstechnik. Die herkömmliche Funktionsentwicklung von Motorsteuerungen wird großteils am Prüfstand durchgeführt. Der Betrieb eines Motorenprüfstandes ist allerdings sehr zeitaufwendig und kostenintensiv. Daher wird seit langem versucht, die Testzeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Neben dem etablierten Einsatz von CAE-Tools bei der mechanischen Entwicklung des Motors, kann die virtuelle Entwicklung bzw. virtuelle Applikation von Reglerkonzepten am PC einen weiteren Beitrag leisten.
Ein Vorteil der virtuellen Regler-Entwicklung ist, dass sie zeitgleich mit der mechanischen Motorentwicklung beginnen kann. Für die Entwicklung der Reglersoftware ist kein realer Motor mehr nötig. Die erforderlichen Daten können mittlerweile mit Hilfe von kommerziellen eindimensionalen Simulationswerkzeugen für den Motorprozess (z.B. Boost oder GT-Power) – mit einer für die Reglerentwicklung ausreichenden Genauigkeit – simuliert werden. Diese Simulationen sind jedoch sehr rechenintensiv, wodurch sie nicht für die Reglerentwicklung in Echtzeit prädestiniert sind.
HIL-Modelle:

Aus diesem Grund ist der nächste Schritt in der Entwicklungskette die automatisierte Parametrierung von echtzeitfähigen HIL-Modellen. Diese Modelle werden im Rahmen dieses Projektes auf Basis der objektorientierten Modellierungssprache Modelica erstellt. Die Motormodelle sollen den kompletten Motorprozess kurbelwinkelaufgelöst berechnen. Aufgrund des hohen Rechenbedarfs eines Gesamtmodells und der Forderung nach Echtzeitfähigkeit kann die Modellgüte nicht beliebig gesteigert werden. Eine Lösungsmöglichkeit besteht in der Bildung von Teilmodellen, die auf verschiedenen Echtzeitplatformen verteilt werden, um so die Modellgüte der einzelnen Modelle erhöhen zu können. Die erstellten Modelle werden in einer Motorbibliothek zusammengefasst, um auf diese Weise die Wiederverwendbarkeit der Modelle zu gewährleisten.
Die erstellten HIL-Modelle werden anschließend an die mit dem Prozesssimulationstool ermittelten Daten angepasst. Die Aufgabe der automatisierten Ermittlung der Modellparameter soll mit dem Optimierungstool AVL Cameo durchgeführt werden. Bei diesem Schritt werden die Parameter soweit optimiert, dass die Ergebnisse des HIL-Modells bestmöglich mit den Ergebnissen der eindimensionalen Simulationstools übereinstimmen.
Modellgestützte Prädikitve Regler -- Bibliothek
Durch die an den jeweiligen Motor angepassten echtzeitfähigen HIL-Modelle können im nächsten Schritt die Reglerfunktionen entwickelt werden. Im Rahmen des Projektes sollen skalierbare Reglerfunktion für die Regelung des Luftpfads eines Dieselmotors entwickelt werden. Dazu werden die Möglichkeiten der Skalierung eines Modellgestützten Prädiktiven Reglers z.B. unter Berücksichtigung der Rechengeschwindigkeit und Speicherbedarf detailliert untersucht. Zusätzlich sollen in den Regelungsentwurf nichtfunktionale Anforderungen – die innerhalb der Softwaretechnik entstanden sind – auf die Regelungstechnik übertragen und umgesetzt werden. Beispiele für solche Anforderungen sind:
- Wiederverwendbarkeit,
- Skalierbarkeit,
- Wartbarkeit
- und Performance.
Die erstellten Regler können, bevor sie am realen Motor eingesetzt werden, mit Hilfe der HIL-Modelle detailliert untersucht und parametriert werden. Diese Applikation der Reglerparamter wie z.B. Prädiktionshorizonte oder Gewichtungsmatrizen sollen im letzten Schritt der virtuellen Entwicklung auch automatisiert mit Cameo ermittelt werden. Die so erstellten Regler können anschließend am realen Motor eingesetzt und validiert werden. Dazu werden die mit Simulink erstellten Regler mit Hilfe des Realtime-Workshops für eine Echtzeitplatform (z.B. dSpace Micro-Auto-Box) erzeugt.
Der Vorteil der virtuellen Entwicklung ist, dass schon an HIL-Modellen getestete und vorparametrierte Regler am realen Motor eingesetzt werden können. Die Feinabstimmung der Regler kann dadurch wesentlich schneller erfolgen. Weiterhin ist die Gefahr, dass der Regler den Motor beschädigt durch das vorangegangene Testen minimiert worden.
Im Rahmen dieses Projektes werden immer wieder Studien- und Diplomarbeiten sowie HiWi-Stellen ausgeschrieben. Eine aktuelle Auflistung ist hier zu finden. Bei weiteren Fragen bezüglich des Projektes Zamomo wenden Sie sich bitte an Peter Drews oder Frank Heßeler


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